
Der Schweizer Buchhandel kämpft ums Überleben. In der Deutschschweiz verschwanden seit 2007 etwa 14 Buchhandlungen jährlich. Nach der Ablehnung des Preisbindungsgesetzes wird sich dieser Prozess beschleunigen, weil dann auch Discounter wie MediaMarkt und Lidl ins Lockvogelgeschäft mit Bestsellern einsteigen werden. Die Dauer-Rabattschlacht der Internetanbieter wird weiter gehen, bis die letzte Buchhandlung aus dem Weg ist und 2-3 Einkäufer in der Schweiz Sortiment und Preise von Büchern bestimmen können.
Das Buchpreisbindungsgesetz schafft gute Rahmenbedingungen für den Buchhandel in der Schweiz. Es wird dafür sorgen, dass alle Bücher zu günstigen Preisen angeboten werden können. Es gilt auch für den Internethandel, wenn der Bestellvorgang in der Schweiz stattfindet. Der Preis für das Gesetz ist lediglich, dass keine Dumpingpreise auf Bestseller mehr möglich sind.
Viele Schweizer Autorinnen und Autoren publizieren in Deutschen Verlagen. Der Buchmarkt ist ein Sprachmarkt. Alle Teilnehmer der Buchkette, auch deutsche Verlage, werden von der Preisbindung profitieren. Deutsche Verlage wie Rowohlt oder Suhrkamp sind KMU mit 50-100 Mitarbeitern. Sie werden keine Gelegenheit haben, die Schweizer Konsumenten abzuzocken, weil sie lediglich 5% ihrer Produktion in die Schweiz liefern. Wir profitieren in der Schweiz weit mehr von der Vielfalt im Deutschen, preisgebundenen Buchmarkt als das umgekehrt je der Fall sein wird.
Die Schweizer Buchbranche ist keineswegs gespalten in der Frage der Buchpreisbindung. Die Buchhändlerinnen, Verleger und Autoren waren bei allen relevanten Abstimmungen in den letzten Jahren einstimmig für das Gesetz. Es gibt eine Hand voll Gegner innerhalb der Branche, die sich im Abstimmungskampf im Windschatten von ExLibris zu profilieren versuchen.
Wem Internet und Discounter genug sind, dem kann das Gesetz über die Buchpreisbindung egal sein. Wer Buchhandlungen aufsucht, ihren Rang als kulturelle Tankstellen zu schätzen weiss und weiterhin von Beratung und Service durch Buchhandlungen profitieren will, muss an diesem Wochenende “Ja” zum Buch stimmen.
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